Über die Motivation einer Mitarbeiterin

Andrea BartelsDie Kinderkrankenschwester Andrea Bartels: „Warum ich gerne bei der Häuslichen Kinderkrankenpflege in Hamburg e.V. arbeite.“

Nach vielen Jahren Arbeit als Kinderkrankenschwester in der Klinik landete ich vor fünf Jahren auf der Suche nach beruflicher Veränderung bei der Häuslichen Kinderkrankenpflege Hamburg e. V. Der Wunsch, eine Alternative zur Arbeit in der Klinik zu finden, hatte für mich verschiedene Gründe. Einerseits suchte ich nach einer neuen Herausforderung für mich, andererseits sollte eine neue Tätigkeit mir Raum bieten, den einzelnen Patienten individueller und intensiver betreuen zu können. Ich wünschte mir auch, die Eltern und die Familie mit einzubeziehen, Zeit zu finden, für ein Gespräch oder auch nur ein paar aufmunternde Worte. Das fehlte mir in der Klinik zunehmend.

Rückblickend kann ich heute sagen, ich habe genau die Perspektive gefunden, die meinen damaligen Vorstellungen entsprach. Eine Herausforderung ist die Arbeit für mich noch immer. Ich habe sehr viel hinzugelernt und tue es weiterhin - im medizinischen und pflegerischen Bereich, aber auch persönlich im Umgang mit Menschen, ihren Bedürfnissen und Gefühlen.

Jeder Tag gestaltet sich anders, oft lerne ich neue Patienten und ihre Familien kennen, stehe vor einer Haustür und weiß nicht, was mich dahinter erwartet.

Werde ich dort willkommen sein, oder wird es schwierig werden, einen guten Kontakt aufzubauen? Werde ich immer die richtigen Worte finden, die richtigen Entscheidungen treffen, die vielen Fragen beantworten können? Werde ich der Betreuung und Pflege des Patienten gewachsen sein oder mich auch manchmal überfordert fühlen?

Diesen Unsicherheiten, Fragen und Ängsten gilt es täglich neu zu begegnen und sich damit auseinanderzusetzen. In der Familie bin ich damit erst einmal allein, denn dort arbeite ich selbstständig und eigenverantwortlich. Natürlich gibt es immer die Möglichkeit, auftretende Fragen oder Probleme medizinischer Art mit dem behandelnden Arzt in der Klinik oder dem Kinderarzt zu besprechen und zu klären. Eine ganz wichtige Rolle spielt für mich das Team, meine Kolleginnen. Der regelmäßige Austausch über die Patienten, Probleme, Fragen, Unsicherheiten, aber auch über Trauer und Freude, sind für mich notwendig, hilfreich und sehr unterstützend.

Meine Arbeit bei den jeweiligen Patienten, die Hausbesuche, gestalten sich sehr vielseitig und unterschiedlich, bedingt durch die vielfältigen Erkrankungen der Kinder. Bei manchen Patienten und ihren Familien ist nach der Entlassung aus der Klinik nur wenig Anleitung und Hilfestellung nötig, etwa bei der Erstmanifestation eines Diabetes, um dem Patienten und/oder seinen Eltern die erforderliche Sicherheit und Kompetenz im täglichen Umgang mit der Erkrankung zu vermitteln.

Ein sehr wichtiger und anspruchsvoller Bereich unserer Arbeit ist die Begleitung von sterbenden Kindern. Sie beinhaltet zum einen die pflegerische und medizinische Betreuung des schwerstkranken Patienten, zum anderen aber auch die psychologische Betreuung der ganzen Familie, die Bereitschaft zum Gespräch, zum Zuhören und die Auseinandersetzung mit dem Thema Tod und Sterben.

Hier handelt es sich zumeist um Kinder, die wir schon lange kennen und betreuen, oft mit onkologischen Erkrankungen oder auch Syndromen oder Fehlbildungen mit begrenzter Lebenserwartung.

Diese Sterbebegleitung ist für mich in jeder Hinsicht eine ganz besondere Zeit. Eine Zeit, die mich sehr fordert, viel Kraft kostet, die mir große Sensibilität und Einfühlungsvermögen abverlangt im Umgang mit dem Patienten und seiner Familie, aber immer eine Zeit, die mir auch viel gibt, eine Aufgabe, die mich trotz aller Traurigkeit immer auch bereichert und stärkt.